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Saturday, September 14, 2013

"Marisa Mell" by Brazilian artist XICO


On a regulary basis since the start of this blog more than 5 years ago I get mails from Marisa Mell fans living all over the world telling me often in a very emotional way how much they all still very much like her and the films she starred in so many years ago which is quite remarkable to me! Although Marisa Mell was quite famous in her time she never gained notority like Marilyn Monroe or stardom like Sophia Loren... , yet, a lot of people were profoundly touched by her presence and work. One of those Marisa Mell admirers is Brazilian artist XICO who has drawn this beautiful picture of Marisa Mell in her honor! 


Romy Schneider as "Sissi" drawn by XICO

XICO has two beautiful blogs where he shows his art: 


and


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Thanks XICO for this wonderful rendition of Marsia Mell! It is highly appreciated!

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The Marisa Mell Blog is always on the look out for fan art of Marisa Mell! So if you would like to contribute to this blog feel free to send me a mail with your creations! Thanks! 

Saturday, August 17, 2013

"La Encadenada" or "Diary of an Erotic Murdress" - Review by André Schneider

Today's entry is a real treat for the Marisa Mell Blog! André Schneider from Berlin (Germany),  a gifted actor, director, producer, musician, and writer and above all a huge Marisa Mell fan, has granted me permission to pubiish his reviews of several key Marisa Mell movies. "And what may be so special about his reviews?", you ask! Well, most movie reviews in magazines and other publications like blogs are mostly written by non-professionals from the métier of film making. So they are very often written in the same way, using the same language and style or are writing from the same point of vue: the lay man going to the movies. The fact that André Schneider is a professional film maker gives the reviews extra depths and layers that not often are found in movie reviews. And in combination with André Schneider's profound knowledge of movie history from all genres in the field makes the reviews a must read for every Marisa Mell fan or movie fan in general! The first movie André Schneider is going to review is one of his favorite Marisa Mell's movies, if not the favorite one: "La Encadenada" or "Diary of an Erotic Murderess". Enjoy!



Diary of an Erotic Murderess

Originaltitel: La encadenada/Perversione; Regie: Manuel Mur Oti; Drehbuch: Emilio Martínez Lázaro, Manuel Mur Oti, Rafael Moreno Alba, Mario Siciliano; Kamera: José Luis Alcaine; Musik: Carlo Savina; Darsteller: Marisa Mell, Richard Conte, Anthony Steffen, Juan Ribó, Richard Baron. Spanien/Italien 1975. IMDb.


La Encadenada

1970 befand sich Marisa Mell in Italien im Zenit ihrer Popularität. In den kommenden fünf Jahren spielte sie in etwa 20 Filmen, von denen die meisten heute (leider zu Recht) in Vergessenheit geraten sind. (Lediglich den an diverse Hitchcock-Klassiker angelehnten Thriller »Marta« (Regie: José Antonio Nieves Conde) mit Stephen Boyd sollte man, wenn sich die Gelegenheit bietet, wirklich anschauen.) »La encadenada« war der zweite von insgesamt drei Filmen, die die Österreicherin Anfang der siebziger Jahre in englischer Sprache für die spanische Produktionsgesellschaft Emaus drehte. Für die internationale Auswertung bekamen die Emaus-Filme allesamt lächerlich reißerische Titel verpasst: aus dem interessanten »Pena de muerte« (Regie: Jorge Grau) mit Fernando Rey wurde »Violent Blood Bath«, aus »Infamia« (Regie: Giovanni d’Eramo) »Death Will Have Your Eyes«, und aus Manuel Mur Otis »La encadenada« (wörtlich: »Die Angekettete«) schließlich »Diary of an Erotic Murderess«. Das ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass gerade diese drei Mell-Filme die mit Abstand sehenswertesten aus dieser Zeit sind; »La encadenada« dürfte sogar ihr schönster Film aus den Siebzigern sein. Unglücklicherweise wurde das kleine Juwel bis zum heutigen Tage im deutschsprachigen Raum nicht zur Aufführung oder gar in den Verleih gebracht. (Eine um ca. acht Minuten gekürzte US-Version des ursprünglich 94 Minuten langen Streifens wird kostengünstig von diversen Internethändlern auf DVD-R angeboten.)


Nur ganz kurz zur Handlung: Der Tod der Mutter ließ den Millionärssohn Marc (Juan Ribó in seinem Filmdebüt) plötzlich verstummen. Mit seinem erratischen Verhalten terrorisiert er die Hausangestellten. Nachdem er mal wieder eine Gouvernante vergrault hat, engagiert sein Vater, der Industrielle Alexander (Richard Conte in seinem vorletzten Filmauftritt), die attraktive Psychologin Gina (Mell), die sich fortan verständnisvoll um den Jungen kümmert. Doch die junge Frau birgt ein düsteres Geheimnis: sie ist keine Psychologin, sondern eine verurteilte Diebin auf der Flucht vor ihrem gewalttätigen Ehemann (Italo-Western-Ikone Anthony Steffen), der ihr bereits dicht auf den Fersen ist. Im weiteren Verlauf der Geschichte spielen ein benachbartes Templerkloster, der Heilige Gral, ein geheimnisvolles Tagebuch, ein Gasmord in der Badewanne, Lügen, Erpressung, Besessenheit und der Drang, sich aus einem Netz von Intrigen und Habgier zu befreien, wichtige Rollen.


In keinem anderen Film ist Marisa Mell so atemberaubend schön und geheimnisvoll wie in diesem. Kameramann Alcaine weidet sich förmlich an ihrem großflächigen, makellosen Gesicht mit den leicht schräg gestellten grünen Augen, den vollen Lippen und dem markanten Kinn, Carlo Savinas zarte, in diesem Gefüge wie eine Liebeserklärung wirkende Klaviermusik untermalt Bilder, die so erlesen sind, dass man sie ausdrucken, einrahmen und an die Wand hängen möchte. Bei so viel Ästhetik vergibt man gern die zahllosen Wendungen des überfrachteten Drehbuchs — ja, es ist tatsächlich noch von galizischen Hexen die Rede! —, die logischen Brüche und die platte, zeittypische Psychologie.


Dass Manuel Mur Oti seinen Produzenten den fertig geschnittenen Film bereits am 15. März 1974 vorlegte, lässt darauf schließen, dass die Dreharbeiten schon Ende 1973 stattgefunden haben müssen. Mit diesem Werk, das damals schon ein wenig altmodisch gewirkt haben muss, stieß er auf Unverständnis, und so hatte »La encadenada« einen langen und harten Weg zurückzulegen, ehe er dem Publikum zugänglich wurde. Emaus schien nicht recht zu wissen, was sie mit dem Film machen sollte und entschied sich, ihn zunächst in Italien auf den Markt zu bringen. Am 30. November 1974 wurde »La encadenada« dem italienischen Produktionspartner Metheus Films übergeben und startete unter dem Titel »Perversione« im Mai 1975 ohne große Anteilnahme der Öffentlichkeit in den italienischen Kinos. Erst im Januar 1977 war die Madrider Premiere, und leider lief der Film nur mäßig: Die Emaus verzeichnete einen mickrigen Bruttogewinn, der heute in etwa 73.750 Euro entspräche. Kein Wunder, dass die Produktionsfirma das Jahr 1977 nicht überstand und Konkurs anmelden musste.Mur Oti drehte hiernach nur noch einen Film, »Morir … dormir … tal vez soñar«, um 1979 in den wohlverdienten Ruhestand zu gehen. Zehn Jahre vor seinem Tod ehrte die spanische Filmakademie den inzwischen 85jährigen Galizier mit einem Goya, dem spanischen Äquivalent zum Oscar, für sein Lebenswerk. Ein verkannter Meister — grandios: »Un hombre va por el camino« (1950) und »Cielo negro« (1951) —, der nur 17 Filme inszenieren konnte und dem viel zu spät Tribut gezollt wurde. Im Rahmen einer Retrospektive wurde »La Encadenada« im August 1999 wiederaufgeführt und erfuhr schließlich die Zustimmung des Publikums, die ihm fraglos zusteht.


Vielerorts wirft man dem Film sein behäbiges Tempo vor, seinen Mangel an Blutrünstigkeit und Sex. Für einen handfesten Thriller fehlt es an Spannung, für einen Giallo an Titten, für ein Psychodrama an Tiefe. Mancher Rezensent sprach von einer Seifenoper. Giallo-Experte Christian Keßler, der ansonsten für praktisch jeden Film lobende Worte findet, bezeichnete »La encadenada« in seinem Verriss als »morbides Erotikdrama«. In meinen Augen ist das Werk ein dunkles Märchen, dem man sich aufmerksamen Blickes und mit angemessener Behutsamkeit nähern sollte. Tut man dies, wird man reich belohnt. Ein Film, in dem mehr steckt — viel mehr! —, als es auf den ersten Blick scheint.

André Schneider
27.03.2011
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Thanks for the first review! It is highly appreciated!
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If you like to read more reviews about almost every genre of movie you can follow André Schneider's personal movie blog:

http://vivasvanpictures.wordpress.com/

Highly recommended!

Sunday, July 14, 2013

Cult movie star Christine Kaufmann: "My friendship with Marisa Mell!" (5th Anniversary MMB)


Today's entry for the 5th anniversary of the Marisa Mell Blog (MMB) is a real treat for all fans of Marisa Mell who are following day in, day out the blog since July 2008! Thanks to the continuous efforts of German Marisa Mell fan André Schneider from Berlin the Marisa Mell Blog is proud to show you a video made by German cult movie star and now health expert Christine Kaufmann talking about her friendship with Marisa Mell. 

Christine Kaufmann may not be well known by the present internet generation but during the 50's, 60's and 70's she was a major movie star first in Europe and then in Hollywood. At an early each of 7 years in 1952 she started her career in the German production of "Im Weissen Rössl" (White Horse Inn). Her major break came two years later with the absolute German cult classic "Rosen-Resli". She was then only 9 years old and captured the hearts of millions of Germans. Internationally she drew attention several years later in 1959 with the sword and sandal movie "The Last Days of Pompeii", co-starring Steve Reeves and in, one of my favorite movies, in 1961 with "Town without Pity" with Kirk Douglas, which earned her a Golden Globe Award.


In that same year she played in the historical action movie "Taras Bulba" with Tony Curtis. Not only were they lovers on screen but also in real life when Tony Curtis fell head over heels in love with his co-star. After his divorce with Janet Leigh, they married in 1963. During the marriage the movie career of Christine Kaufmann was more or less on hold as she devoted her time being Mrs Tony Curtis while giving him two wonderful girls Alexandra and Allegra. Sadly the marriage ended in 1968 and Christine Kaufmann came back to Europe to resume her movie career. 


Since then her movie and television credits have reached almost 110 entries, not forgetting her theatre career in German speaking countries. And if that was not enough Christine Kaufmann became an expert on everyting concering beauty, health and positive living making her a successful business women, promoting her own cosmetic line, writing her own books on beauty and health and two autobiographies on her life inside and outside the pictures. 

So let's hear what Christine Kaufmann has to say about her friendship with Marisa Mell:


For the Marisa Mell fans who are not speaking German here is a free translation of the video entry of Christine Kaufman:

So, one of the questions that I have been asked, I would like to answer as a video entry, namely to tell some anecdotes about MarIsa Mell. It was only in the 80’s that I have truly got to know Marisa Mell. I was filming in Rome, and I asked her if I could spent the nights at her apartment in Rome as long as it would take to shoot the movie because I really hate staying in hotels, being on your own in these hotels as an adult. During my childhood acting career I always stayed in hotels together with my mother. Marisa Mell found it no problem to put me up for several weeks but there was only one problem she said: Helmut Berger. He lives around the corner and he can become quite a nuisance at night!


Marisa Mell in the early 80's in a promotional picture for glasses

Marisa Mell was really great to stay with and she had a sweet dog! An afghan dog (Rocco). This story I would like to tell first. Marisa Mell declared that the dog was a reincarnation of someone which I do not remember now. The dog was so sweet and Marisa told with her husky Italian accent that the dog had telepathic powers. So I had my own sleeping room because I needed to get up very early in the morning to go to the film set during the week and in the weekends we were free. During my stay the dog had made it his habit to be always at my bedside just a few moments before I would wake up. I always laid on my back just before waking up and totally cuddled up under the blankets when the dog would come in and resting his head on the blankets just right under my face waking me up with his sniffing and warm breathing. One Saturday morning around 6 AM I thought just before waking up: “Please, come back in 5 minutes.” The dog went away and after 5 minutes he came back to wake me up! Later during the day I told Marisa what had happened. She said: “I told you so that the dog is telepathic”.


Marisa Mell pregnant walking with her dog Rocco

Let’s return to Helmut Berger. At that moment in time Helmut Berger was still a very beautiful man but as always very demanding. We had social gatherings with him like diner… One evening at 11 PM we wanted to go to bed when Marisa asked me: “Do you have by chance a tampon with you?” I said “yes, I have”! So she wanted to have one. Together we have then opened a new package, made it a little wet and put it behind the shell of the doorbell so that the hammer of the bell was blocked. And indeed around 4 AM in the morning the bell went “RRRRRRRRR” instead of the hellish “KKKKKKKKRRRRRRRR” as usual. So Marisa knew how to keep Helmut Berger at night away from your door.


Marisa Mell with Helmut Berger

After my stay in Rome I have not seen Marisa during a long time but we kept in contact together because, for me, she was an incredible women. She was a real pal and friend, like Sonja Kirchberger, who is also a women that becomes a real pal like myself though people not often recognize this.


Sydney Rome

Never mind. I saw Marisa back around 1985 or 1986 when I was playing again theatre in Germany, at the city of Bonn. Our age was around 40-ish. When we saw each other again we said jokingly “you are also not lifted yet”. Marisa had a very beautiful bone structure in her face. Then she told me: “Have you seen Sidney Rome?”. I said “yes” (BTW Sidney is a very sweet person). Marisa then said with a smile about Sydney Rome’s plastic surgery: “She can now whisper herself secrets in her own ears!” Please, I do not want to comment on that but at that moment it was so funny this line and the way Marisa told that to me in a serious manner. These are a few anecdotes about Marisa Mell. She had such a dry witty humor always commenting on life and people that we met in the same circles.


Erika Pluhar

Many years later in the 90’s I was in Vienna with a male friend, not a relationship but a brotherly friend, who was among the few people that were taking care of her when she died. Yes, it was him together with another women (Erika Pluhar) who took care of her. The women was also a famous actress. She had cancer and did not want to rely on the traditional cancer healing methods. She had an Indian guru (Sai Baba). Someone told her that she would heal due her faith in the Indian guru.


Marisa Mell with Indian classical dress "Sari"

I was told that she was still looking physically well when she died, not worn out by chemo or losing her hair due the therapies. She had accepted her illness with dignity. I was not a direct witness but only got it from hearsay but it competes with the way I always knew Marisa Mell: a strong women with which you could eat a spaghetti at home but could also appear at high end cocktail parties where she would wear fragile golden shoes because she had very beautiful small ankles with a stunning face.


Last public appearence of Marisa Mell before her death

I talked it once over with Helmut Berger that she had a very androgynous face. She could also have been a very beautiful man. So that is everything that I would like to tell you about Marisa Mell. She was a women who was very women friendly but could otherwise give witty remarks about other women like the face lift of Sydney Rome.
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I would like to thank Christine Kaufmann for this wonderful entry about her friendship with Marisa Mell down memory lane! It is highly appreciated. Thank you so much!
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And last but not least I would like to give my buddy André Schneider a BIG hug and thanks for making this entry possible! It is the best 5th anniversary present that he the Marisa Mell Blog could ever have given! Thanks mate! 

Friday, June 28, 2013

Cleopatra Bis


Last week on June 12th 2013 it was exactly 50 years ago that the movie "Cleopatra" with Elizabeth Taylor got its première in America after a long and very hazardous production schedule in London (Britain) and  Rome (Italy) and above all the movie went way over budget almost bankrupting 20th Century Fox! But the movie was an absolute success in America and the rest of the world for years to come on every level of  life like fashion or entertainment igniting a slew of peplum movies during the rest of the 60's and early 70's, all being produced in Cincecitta in Italy . Even Marisa Mell could not escape the tsunami that this movie caused.  Hence this photoshoot with fashion photographer Bert Stern completely dressed like an Egyptian princess! As always Marisa Mell is just absolutely beautiful but what makes this shoot special is that it also gives us a  glimpse behind the scene of the photoshoot.







Monday, June 17, 2013

"Venusberg" (1963) - A 3-part review of a lost Marisa Mell movie by Thomas - Part I

I am not a jealous person but this time it is very hard for me not to envy my guest entry writer Thomas from Germany! Early april 2013 he had the opportunity with a select group to view the lost Marisa Mell movie "Venusberg" from 1963 in prestine cinema quality in a movie theatre! Damn! I wonder if I will ever see this film in my life time. For the next three entries he will tell it all about the movie, the actresses, the director and his personal impressions of this lost gem! So my heartfelt thanx goes to Thomas for writing these entries and sharing with us this rare movie! Thanx mate!


VENUSBERG (1963)

mit Marisa Mell, Nicole Badal, Monica Flodquist, Ina Duscha, Claudia Marus, Christina Granberg und Jane Axell;

Es sprechen Rolf Thiele, Oskar Werner und Richard Häussler;
Eine Franz Seitz Produktion im Nora Filmverleih Weltvertrieb Omnia;
Ein Rolf Thiele Film;


Sechs junge Frauen treffen sich in einer feudalen Bergvilla um ihren Alltagsproblemen zu entfliehen, die vornehmlich mit dem vermeintlich starken Geschlecht in Zusammenhang gebracht werden können. Alle haben dem Anschein nach eines gemeinsam, denn sie kennen einen Herren namens Alphonse, den sie offensichtlich erwarten. Die Frauen haben die räumliche Nähe jedoch unterschätzt, und schon bald kommt es angesichts des ständigen Diskutierens von diversen Frauenproblemen zu ersten Streitigkeiten, bis die Situation in einem Suizid-Versuch eskaliert. Während die Damen, die unterschiedlicher nicht sein könnten, weiter über die Männerwelt philosophieren, taucht eine geheimnisvolle, schöne Frau namens Florentine (Marisa Mell) im Haus auf dem Venusberg auf, und sorgt für Verwirrung und Misstrauen, doch auch ein unbekannter Mann schleicht um das Haus herum und scheint die Frauen zu beobachten.

»In Deutsch klingen die Dinge so hart!«

Rolf Thieles "Venusberg" gilt als einer der Skandalfilme des Jahres 1963, so dass man sich eindringlich mit der Zensur auseinandersetzen musste. Beanstandet wurden seinerzeit etwa 20 Textstellen, die bei der Prüfung durch die FSK als zu anzüglich, beziehungsweise zu schlüpfrig empfunden wurden, außerdem musste eine Szene mit einem nackten Mädchen in der Frontale entfernt werden. Dialoge wie: »Für mich fängt der Mann mit dem Kopf an, dann kommt lange nichts dann sein zweitwichtigster Körperteil« (was entfernt wurde, beziehungsweise bei diesem Nebensatz hört der Zuschauer nur das Ertönen einer Kuckucksuhr bis »...und dann erst seine Million!« folgt. Einige Passagen wurden so entschärft, ohne signifikante Kürzungen vornehmen zu müssen. Gespräche wurden kurzerhand von alltäglichen Geräuschen überlagert, obwohl man auch ohne es zu hören ganz genau weiß, worüber sich die Damen eigentlich unterhalten. Diese aus dem Zwang entstandene Idee wirkt rückwirkend wie ein extravagantes Stilmittel. Das Lexikon des Internationalen Films versuchte die Produktion beispielsweise wie folgt zu entlarven: "Der fast handlungslose Film versucht, in der entkonventionalisierten Situation gleichgeschlechtlicher Einsamkeit 'das wahre Ich' der Frau zu enthüllen." Diese im Auszug zurückhaltende und vergleichsweise schmeichelhafte Kritik wird dem Film allerdings auch nur teilweise gerecht, denn unter all der offen zur Schau gestellten Oberflächlichkeit brodelt ein Vulkan an schemenhaftem Tiefsinn, den zu enträtseln beinahe einzig und alleine dem Zuschauer auferlegt wurde. Erneut stellt sich also das von mir persönlich stets empfundene Thiele-Problem heraus, denn er konnte seine Progressivität zwar im Bilde festhalten, sie allerdings nicht nachhaltig genug bündeln, sprich für den Zuseher verständlich machen. "Venusberg" ist ein Film, den man daher mehrmals gesehen haben müsste, um ihm guten Gewissens gerecht zu werden, doch eines kann ich ohne jeden Zweifel bestätigen, nämlich dass es sich um einen seiner besten Arbeiten handelt.



2009 veröffentlichte Joachim Kramp im Edgar Wallace Forum die Produktionskosten und die geschäftlichen Filmechobenotungen. Die Herstellungskosten für "Venusberg" beliefen sich auf DM 506.099,14 und man musste weit über ⅙ der Kosten, mit einem Verlust von etwa DM 80.000 wieder abschreiben. Die Filmecho-Benotung war mit 4,1 auch nicht gerade sensationell. Andere Angaben waren fast dreißig Jahre später von Hauptdarstellerin Marisa Mell, höchstpersönlich und selbst angefertigt, in ihrer Biografie "Coverlove" zu vernehmen, wenn auch lediglich nur kurz und knapp, und dem Charakter der Lektüre entsprechend, auf vagem Niveau: »Der Film wurde ein Riesenerfolg, auch international.« Große Probleme gab es bereits zum anvisierten Termin der Uraufführung, da die FSK offenbar ein riesiges Fass aufmachte. Der Nora Filmverleih musste den Start des Films verschieben, da man gezwungen war ihn aufgrund gewisser Änderungswünsche zurückzuziehen, außerdem wurde es kategorisch untersagt, ihn in der Karwoche, beziehungsweise rund um Ostern anlaufen zu lassen. Diese Prozedur ist heute nicht mehr ganz nachzuvollziehen, spiegelt aber wohl authentisch den Zeitgeist wieder, und ob sich diese Auflage mit der verbundenen Kritik letztlich als kostenlose Reklame gerechnet hat, wäre durchaus eine interessante Information. Lange Rede, kurzer Sinn. Der Film ist insgesamt mehr als gelungen und überrascht mit dem Unvorhergesehenen. Bemerkenswert elegant und stilvoll bekommt man wunderbare Bildkompositionen anvertraut, worin sich mitunter der besondere Charakter entwickelt, aber auch die ungewöhnliche Thematik als Konglomerat aus Oberflächlichkeiten, Groteske, Tiefgang und Symbolik transportieren einen ungeheuren Reiz, so dass man nicht mehr unterscheiden kann, ob es sich um ein Märchen im Wahrheitsgewand handelt, oder um einen Tatsachenbericht im Märchenformat. Fakt ist, dass man die nicht immer greifbare Atmosphäre durch die exzellente Kamera-Arbeit von Wolf Wirth transparent geschildert bekommt, sie jederzeit spüren kann, auch wenn man das Wahrgenommene nicht immer glauben kann.



Für das heutige Verständnis bleibt ein sagenhafter Jahrmarkt der Frivolitäten definitiv aus. Was die Gemüter (in welcher Form auch immer) seinerzeit erregte, wirkt heute schon fast wieder etwas bieder, brav und unspektakulär, außerdem unfreiwillig komisch. Eine Klassifizierung mit FSK 18, die bis heute Bestand hat, lockt daher nur noch ein müdes Lächeln aus den Zuschauern. Rückblickend ist bei dieser Produktion nichts Beispielloses mehr zu erkennen, zumindest nicht auf den ersten Blick. Was sich damals in der Zeit des Wirtschaftswunders jedoch hierbei in einigen Köpfen abgespielt haben muss, ist wenn überhaupt nur zu erahnen. Rolf Thiele war bestimmt kein Film-Vandale, das spiegelt seine eigenwillige oder eigenmächtige Art Kino zu machen nicht wieder. Vielleicht ist die Umschreibung Visionär daher etwas zu weit hergeholt, kommt der Sache ganz allgemein aber eigentlich nahe. Ein Schritt weiter, oder einige Schritte mehr gehend, den Unterhaltungswert und die anvisierte Exposition nie aus den Augen verlierend, machte er Kino, dass die Leute sehen, oder angeblich natürlich nicht sehen wollten, und viele Erfolge sprechen von daher ohnehin für sich. Man kann es nicht anders sagen, aber bei "Venusberg" handelt es sich um ganz eigenartige 88 Minuten. Ein Film über Frauen, der aber keineswegs schmeichelhaft für Frauen erscheint, sondern der ausschließlich für Männer gedacht und gemacht ist. Er spricht auf unterschiedlichsten Ebenen an, und verteilt daher auch groteske bis nachvollziehbare Rundumschläge auf ebenso unterschiedlichem Niveau. Stellt "Venusberg" also tatsächlich den zitierten »politischen Film des neuen Deutschland« dar, ist er durch die fast vollkommen fehlende männliche Präsenz ein »feministischer Film aus weiblicher Perspektive«, transportiert er einen surrealistischen Touch oder befindet sich unter dem verwirrenden Deckmantel der Geschichte nur ein primitiver Sensationsfilm ohne anspruchsvolle Ambitionen? Auf den ersten Blick lässt sich garantiert von allem etwas finden, und daher steht und fällt dieser Film auch nicht mit seinem Verlauf, sondern erst mit dem Wort »Ende«. Die Bandbreite an Einschätzungen war von »politischer Film« bis »Schweinkram« jedenfalls sehr ausgeprägt...



FÜNFZIG JAHRE SPÄTER

Mein Besuch im Filmhauskino Köln Anfang April hatte einen besonderen Grund, und zwar einen so spektakulären, dass ich garantiert 1000 Kilometer in alle Himmelsrichtungen gefahren wäre, um den angekündigten Beitrag sehen zu können. Da Köln von mir aus gesehen zwar auch nicht gerade um die Ecke liegt, aber auch keine Weltreise darstellt, besuchte ich das 15. Festival des deutschen psychotronischen Films unter dem Titel »BESONDERS WERTLOS«. Welcher Film konnte nur so dermaßen magnetisch wirken, um kurzerhand alles stehen und liegen zu lassen? Es war ein Film, bei welchem ich mir absolut sicher war, ihn niemals im Leben zu Gesicht zu bekommen. Glücklicherweise konnte der Veranstalter eine tadellose 35mm-Kopie in München ausfindig machen, um ihn (tatsächlich ungerechtfertigterweise) im Rahmen dieses Programmes zu präsentieren. Es war seinerzeit einer der großen Skandalfilme der frühen Sechziger Jahre, der dem Vernehmen nach auch relativ erfolgreich gelaufen sein soll, aber nach heutigem Verständnis überaus harmlos wirkt. Die Kino-Atmosphäre (die ich normalerweise wenig schätze), die Tatsache einen geglaubt verschollenen Film sehen zu dürfen in dem Marisa Mell obendrein in der Blüte ihrer Schönheit ist, und sie einem der überraschendsten Höhepunkte ihrer darstellerischen Kompetenzen zeigt, machte eine beispielloses, kaum zu beschreibendes Erlebnis daraus. Wie die Kinobesucher vor fast genau fünfzig Jahren bei der bundesdeutschen Uraufführung am 26. April 1963 wohl reagiert haben müssen, dachte ich mir. Etwa genauso gespannt-euphorisch, aber auch ebenso skeptisch wie ich? Das aktuelle Publikum von eher überschaubaren, vielleicht etwas über zwanzig Personen, fühlte sich dem Empfinden nach sehr gut unterhalten, und darf sich nun zu den wenigen Filmfreunden zählen, die diese Seltenheit zu Gesicht bekommen hat. Die Regie versprach mit keinem geringeren als Rolf Thiele eine markante bis eigenwillige Unterhaltung, jedoch hielten sich die Erwartungen bei mir deutlich in Grenzen, da ich mir bei Thieles pseudo-komplexen Arbeiten selten einmal die Mühe gemacht habe, diese verstehen zu wollen. So spielt dann eben auch das Leben, dass man gerade in einem solch schweren und unbequemen Stoff landet, wenn man Konzentration und Aufmerksamkeit beim Anschauen wie niemals zuvor um ein x-faches steigern muss, weil man nach Beendigung der Seheindrücke nicht eben einmal die passende DVD einlegen kann, um sich das Ganze nochmals anzuschauen, was ich so schrecklich gerne getan hätte. Nicht nur, um besser zu verstehen, sondern um die intensiven Eindrücke am Leben zu halten. Zwar hatte ich mein Elefantengedächtnis ausnahmsweise mal eingepackt, doch es war insgesamt ein zu derber Rundumschlag hinsichtlich aller Sinne und Sinnlichkeiten. Interessant dabei ist im Endeffekt, dass die jetzige Situation gravierender ist. Es war schon schlimm, diese Produktion erst gar nicht zu kennen, wenn man sie dann aber in all ihrer eigenwilligen Schönheit gesehen hat, kann man nicht mehr vergessen und sehnt sich förmlich nach einem Wiedersehen mit diesen so selten gewordenen Eindrücken aus der Filmwelt. Ich werde Rolf Thieles "Venusberg" also hier so gut wie möglich beschreiben, mich wahrscheinlich dutzend- bis tausendfach wiederholen, vom Hölzchen aufs Stöckchen kommen und hin und wieder maßlos übertreiben und kritisch sein, aber nur aus dem folgenden Grund: Ich habe keine Ahnung, wann oder ob ich dieses Unikat wieder sehen werde, und ich möchte daher so wenig wie möglich verlieren und letztlich vergessen.

TO BE CONTINUED IN PART 2